Xochicalco: Tempelstadt in Mexiko und Geheimtipp für Touristen

Autor: Lars Degen

Ein wenig versteckt südlich von Cuernavaca, der Hauptstadt des Bundestaates Morelos, thront hoch auf dem Berg Xochicalco, was in nahuatl so viel bedeutet wie „ Der Ort des Blumenhauses“.

Sicherlich handelt es sich bei Xochicalco, zumindest für uns Europäer, um eine weniger bekannte Pyramidenstadt, die jedoch auf Platz vier der am meistbesuchten präkolumbianischen Stätten liegt.

Dieser Umstand bietet jedoch dem Besucher einen unschätzbaren Vorteil, da man hier noch ungestörter in Kontakt mit den untergegangenen Kulturen treten kann, da die touristische Erschließung – sprich fliegende Händler und Massenansturm – noch in den Kinderschuhen steckt. Bei meinem Besuch verloren sich auf dem sehr weitläufigen Gelände, auf dem sich auch ein Museum befindet vielleicht höchstens 50 Personen.

Wie eigentlich überall in México solltet ihr – sofern ihr es beherrscht- einen der wirklich exzellent ausgebildeten guías bitten, euch die Stätte auf Spanisch näherzubringen. Sicher beherrschen sie auch Englisch und teilweise Deutsch aber persönlich fand ich die Erklärungen auf Spanisch stets am lebendigsten und auch die 2,5 Stunden in Xochicalco vergingen wirklich wie im Fluge.

Die Ursprünge der Pyramiden von Xochicalco datiert man heute auf 700 – 900 nach Christus, wodurch dieses mesoamerikanische  Zentrum zeitlich zwischen dem Fall von Teotihuacan und dem Aufstieg Tula verortet wird.

Rundgang durch Xochicalco

Wenn man den Rundgang der Anlage vom sehenswerten Museum aus beginnt und einen Blick hinüber zu den cirka 400 Meter entfernten Pyramiden wirft kann man sich die wahre Dimension der Anlage noch nicht wirklich vorstellen doch im Verlauf des Rundganges erschließen sich einem die mehreren Ebenen der Tempelstadt.

Im Gegensatz zu den damaligen Zeitgenossen dürfen wie heute problemlos bis auf das oberste Plateau steigen, wo sich weiland die Wohnstätten der obersten Priester und auch die heiligsten Tempel für Zeremonien befanden und zu denen den meisten der Bewohner der Zugang verwehrt wurde.

Auf dem obersten Plateau befindet sich auch die Pyramide von Quetzalcóatl an der man ein wunderschönes Relief findet welches an einigen Stellen sogar noch Rest der ursprünglichen Farbgebung aufweisen soll. Besonders interessant fand ich den Inhalt dieses Werkes. Laut Überlegungen der Forscher wird vermutet, dass das Relief der Pyramiden Zeugnis von einem Treffen verschiedenster Vertreter der mesoamerikanischen Hochkulturen ablegt, die sich in Xochicalco zusammenfanden um die parallel existierenden Kalender aneinander anzugleichen.

Ein in meinen Augen unheimlich beeindruckendes Beispiel der unglaublich hohen Koordination und Organisation der präkolumbianischen Kulturen. Umso mehr wenn, wenn man sich vor Augen führt, dass man auf dem Relief einen Mayapriester erkennen kann der aus dem fernen Yucatán oder Süden Mexicos  angereist sein muss, was noch heute bei einem gutem Straßennetz fast eine Tagesreise ist.

Abschließend würde ich daher jedem einen Besuch in Xochicalco wärmstens ans Herz legen, da es sich um eine einmalige Erfahrung handelt. Als kleines Sahnehäubchen ermöglich zudem die Verwaltung der Archäologischen Stätten Mexicos (INAH) von Oktober bis Ende Mai jeden Freitag und Samstag den Besuch der Stätte bei Nacht, wobei die Pyramiden illuminiert werden.

Öffnungszeiten ( Stand Oktober 2009):
-    365 Tage im Jahre
-    Montag bis Sonntag
-    9-18 Uhr
-    Die Kasse schließt um 17 Uhr.




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