Tlatelolco, oder: Shopping mit Hernán Cortés

Autor: Lars Degen

Die archäologische Stätte von Tlatelolco ist direkt an der U-Bahn gelegen und leicht vom Zócalo und dem ehemaligen Zentrum der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán zu erreichen. Am Rande einer der größeren Inseln innerhalb des Texcocosees gelegen, war Tlatelolco vor der Eroberung Mexicos durch die Europäer das Zentrum der gleichnamigen Schwesterstadt Tenochtitláns und beherbergte zugleich nicht mehr und nicht weniger als den größten Marktplatz ganz Amerikas und vielleicht sogar der Welt.

Tlatelolco Treppe Der Name Tlatelolco bedeutet in der Sprache der Azteken so viel wie „Sandhügel“. Zu kaufen gab es damals praktisch alles was das Herz begehrte von lokalen Produkten aus der Gegend um den See und die beiden Städte bis hin zu kleinen Köstlichkeiten aus den entlegensten Winkeln Mexicos. Unter den Besuchern war ironischer Weise auch der spätere Zerstörer des Marktes unter gesamten prähispanischen Welt Hernán Cortés, der diesen Ort noch vor der Eroberung Tenochtitláns besichtigt hatte und zugleich hier am 13. August 1521 die entscheidende Schlacht zum Sieg über das Aztekenreich schlagen sollte.

Tlatelolco heute

Heute geht es ein wenig ruhiger und friedfertiger aber dennoch nicht minder interessant zu. Täglich kann man von 8- 18 Uhr kostenlos die Überreste Tlatelolcos besichtigen und wer vorher die (55) 5583-0295 anruft kann sogar noch von Montag bis Freitag eine Führung erhalten. Zur Besichtigung stehen einige Tempel und Pyramiden von denen die zwei eindrucksvollsten der „Tempel des Quetzalcóatl“ und der „Kalendertempel“ sind. Bei letzterem sind die Nors,Süd und Ostfassaden mit 13 Glyphen verziert, die Daten aus dem rituellen Kalender darstellen. 1989 wurde an der Hauptfassade zudem eine Wandmalerei freigelegt, die das Schöpferpaar der Zeitmessung zeigt: Cipactonal und Oxomoco.

Neben den aztekischen Bauten findet sich vor Ort direkt auf den Überresten der Tempel und Pyramiden noch ein spanischer Konvent aus der Zeit nach der Eroberung und rund herum präsentiert sich Mexico City mit dem Charme von Marzahn, sprich Neubauten die aus der Mitte des 20 Jahrhunderts stammen und über weniger Esprit und Eleganz verfügen als ihre so viel älteren Vorgänger. Die Kombination dieser drei so unterschiedlichen Epochen und auch Kulturen gab dem Ort auch einen seiner heutigen Namen: „Plaza de las tres culturas“ –Platz der drei Kulturen. Eine daran angelehnte Malerei könnt ihr an der Fassade eines der umliegenden Hochhäuser entdecken.




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