Teopanzolco: Grabungsstätte bei Cuernavaca

Autor: Lars Degen

In Cuernavaca, der  Stadt des ewigen Frühlings, kann man nicht nur auf den Spuren von Humboldt und Cortés wandeln, sondern auch in die Zeit vor der spanischen Eroberung eintauchen. Dies gelingt einem am besten im Rahmen eines Besuches der Grabungsstätte von Teopanzolco.

Der Name Teopanzolco stammt aus dem Nahuatl und kann mit „Der alte Tempel“ übersetzt werden. In prähispanischer Zeit war dieser Ort ein wichtiges soziopolitisches Zentrum in der Nähe der Siedlung Cuauhnáhuac, dem Vorläufer des heutigen Cuernavaca.

Die Einwohner, die sich ab der Mitte des XIII. Jahrhunderts in dieser Gegend des Bundesstaates Morelos niederließen nannte man tlahuicas. Der Legende nach stammen auch sie aus dem mythischen Aztlán , der ursprünglichen Heimat der weitaus bekannteren Azteken, das sie gemeinsam mit anderen Stämmen einst in Richtung Süden verließen.

Nach einer langen Reihe von Kriegen und Schlachten in der Geschichte beherrschten eben jene Azteken ab zirka 1427 das Gebiet des heutigen Bundesstaates und schlossen es unter ihrem tlatoani (Anführer/König) Itzcóatl dem aztekischen Imperium an. Die ursprünglich ansässige Bevölkerung der umliegenden Siedlungen wurde tributpflichtig und darüber hinaus wurde ihr noch die Pflicht zur Teilnahme an den zahlreichen Bauvorhaben in der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán zu helfen sowie die Beteiligung an den Kriegszügen der Azteken auferlegt.

Die Teopanzolco-Anlage

Die Anlage erscheint nach dem Eintreten relativ klein und übersichtlich, wobei weite Teile nicht ausgegraben werden konnten, da umliegende Häuser und der Fitnessclub abgerissen werden müssten. Insgesamt befinden sich in Teopanzoclo 14 Gebäude, wobei die zentrale Attraktion das Gebäude Nummer 1 ist.

Auf den ersten Blick erscheint der Tempel nicht sehr beeindruckend, doch wenn man die Treppen aufgestiegen ist, nimmt man seine  Dimensionen erst wirklich wahr. Der besondere Wert dieses Gebäudes liegt unter anderem auch darin begründet, dass man nach dem Aufstieg einen Blick ins Innere werfen kann und dabei für viele Kulturen Mexikos typische Überbautechnik einmal vor Augen geführt bekommt. Denn viele Tempel wurden nach dem Ablauf eines Zyklus von 52 Jahren, vergleichbar mit unseren Jahrhunderten, überbaut und somit sukzessive vergrößert. (siehe Foto).

Die Hauptfassade des Gebäudes geht nach Westen und verfügt über eine geteilte Treppe, die den Aufstieg zur obersten Plattform erlaubt, die zwei Tempel beherbergte. Der Tempel im Norden war Tláloc geweiht, dem Gott des Wassers und der Fruchtbarkeit. Sein größeres Gegenstück war Huitzilopochtli geweiht, dem Gott der Sonne und des Krieges, wobei man hier noch Überreste eines Altars entdecken kann. Zu Fuße des Gebäudes befindet sich ein weitläufig rechteckiger Platz der durch weitgehend die restlichen 13 Bauwerke begrenzt wird.

Und wenn im anliegenden Gewerbegebiet nicht wieder eine Gewerkschaftsparty stattfindet, wie bei meinem Besuch, kann man auch hier wieder diese mysteriöse-magische Ruhe und Stille genießen, die einen beinahe Eins mit dem Lauf der Zeit werden lässt.




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