Raul Alfonsín ist tot - Argentinien trauert um die Symbolfigur der Demokratie

Autor: Nina

Am Dienstagabend erlag der frühere argentinische Präsident Raul Alfonsín in seinem Haus in Buenos Aires einem Lungenkrebsleiden. Ganz Argentinien liegt in tiefer Trauer, denn Alfonsín galt bis zu seinem Ende als integrer Politiker und als das Symbol für den Einzug der Demokratie.

Tausende entzünden Kerzen für den 82-Jährigen und Präsidentin Cristina de Kirchner hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

1983 war der linksliberale Raul Alfonsín der erste vom Volk gewählte Präsident nach den Schreckensjahren der peronistischen Militärdiktatur (1976-1983). Damals herrschte zu großen Teilen Aufbruchstimmung, viele wollten die Verbrechen aufarbeiten. Alfonsín hatte sich schon im Vorfeld immer wieder für die Menschenrechte stark gemacht und sorgte nun dafür, dass das Militär zur Rechenschaft gezogen wurde.

Er hob die von den Militärs selbst angeordnete Amnestie auf und ebnete so den Weg für eine Welle von Prozessen. Führende Persönlichkeiten der Militärjunta wurden zu hohen Strafen verurteilt und eine Untersuchungskommission machte die Menschenrechtsverletzungen publik und dokumentierte das Verschwinden von über 10.000 Menschen.

Doch nicht alle waren für die Aufarbeitung. Immer wieder versuchten Anhänger des alten peronistischen Militärs Alfonsín zu stürzen. Die Angst vor einem neuen großen Putsch machte sich breit. Alfonsín wurde so massiv unter Druck gesetzt, dass er schließlich 1987 das Gesetz des geschuldeten Befehlsgehorsams erlassen musste. Damit konnten sich die noch nicht Verurteilten einfach auf den Befehlsgehorsam während der Diktatur berufen und entgingen so der Strafe. Die stolze Aufarbeitung war vorbei.

Nun rückte die marode Wirtschaft mehr in den Fokus. Alfonsín hatte hohe Staatsschulden und eine komplett zerrüttete Wirtschaft von den Peronisten übernommen, die sich so schnell einfach nicht sanieren ließ. Es kam zu etlichen Generalstreiks und 1989 musste Alfonsín schließlich fünf Monate vor Ende seiner Amtszeit sein Amt an seinen Nachfolger Carlos Menem abgeben.

Doch obwohl die neue Demokratie von Raul Alfonsín auf wackligen Beinen stand gilt er noch heute als ein fähiger Politiker, der nur an den widrigen Umständen gescheitert ist.




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