Potosí in Bolivien - Von Silberboom, Mineros und aufkommendem Tourismus
Potosí, im 17. Jahrhundert wurde der Name der bolivianischen Stadt in einem Zug mit Berlin, London oder Paris erwähnt. Damals besaß die Stadt die reichsten Silberminen der Welt und erlebte eine unwahrscheinliche Blütezeit. Doch nach und nach begann der Verfall. Heute könnte der Tourismus der Stadt einen neuen Aufschwung verleihen.
Potosí, das ist heute in Bolivien ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bekannt für die menschenverachtenden Arbeiten in den Minen und andererseits Hoffnung einer verarmten Region auf neuen Aufschwung durch den Tourismus.
In einer kargen steppenhaften Gegende liegt die Stadt, die gleichzeitig die Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos ist, auf einer Höhe zwischen 3.976 m und 4.070 m über dem Meeresspiegel auf der Hochebene des Altiplano “am Fuß” des Berges Cerro Rico.
Schon die Inkas hatten hier Silber gefördert. 1545 von den Spaniern als Bergbausiedlung, wächst die Stadt immer mehr und erreicht eine legendäre Blütezeit. Bereits 1553 wird sie zur Reichsstadt und somit zur Hauptquelle der Spanier für Silber. In den Jahren darauf wurde hier die Münzprägung immer bedeutender. Die Casa de la Moneda kann man heute noch besuchen. Sie holten riesige Mengen Silber aus den Minen von Potosí und verschifften sie in die ganze Welt, was zu einer Verringerung des Silberpreises und damit zur Silberinflation führte.
Aber Potosí blieb davon zunächst unangetastet. Der unwahrscheinliche Reichtum der Stadt lockte immer mehr Menschen an. Um 1611 herum gehörte Potosí mit einer Einwohnerzahl von 150.000 Menschen zu einer der größten Städte der Welt. Und da in diesen Höhenlagen eine Landwirtschaft für so viele Leute unmöglich war, entwickelte sich ein neuer Geschäftszweig. Tausende von Menschen waren täglich mit dem Heranschaffen von Lebensmittel, Schwarzpulver, Cocablättern und allen möglichen sonstigen Gütern beschäftigt.
Während der Unabhängigkeitskriege von 1809 bis 1825 gelanget Postosí mal in die Hände der Kolonialmacht, mal in die Hände der Befreiungsarmeen. Dieser Wechsel führte zu großen Gewaltexzessen in der Stadt und ihr langsamer Verfall begann. Nach dem Silber wurde Zinn zu einer wichtigen Einnahmequelle.
Zum Supergau kam es dann spätestens in den 1970er Jahren. Eine der reichsten US-Familien, die Hunts, hatten durch unzählige Spekulationen und Käufe versucht den Silbermarkt zu kontrollieren, doch dies führte letztendlich zu einem massiven Preissturz von Silber. Zahllose Bergleute wurden über Nacht arbeitslos und der eh schon verschuldete bolivianische Staat wurde von IWF und Weltbank so sehr unter Druck gesetzt, dass er nichts mehr tun konnte.
Heute ist Potosí immer noch wegen dem einstigen Reichtum ein Begriff. Im spanischen gibt es zum Beispiel den Ausdruck “vale un Potosi” für “Es ist ein Vermögen wert”. Doch der Name hat auch einen faden Beigeschmack: Noch heute arbeiten die Mineros, die Minenarbeiter unter den katastrophalsten Bedingungen, wie bereits damals die versklavten Indios unter den Spaniern. Ohne Schutzkleidung oder Atemmasken sind sie den Giften ausgesetzt. Sie schufften Tag und Nacht, nur um den weltweiten Silberbedarf zu decken, denn in der Region gibt es keine andere Arbeit für sie. Im Durchschnitt sterben zwei Minenarbeiter pro Tag. Seit der Zeit der Spanier schätzt man über 10 Mio. Tote, allein durch das Arbeiten in den Minen. Auch Kinderarbeit ist immer noch Gang und Gebe, obwohl sie in Bolivien verboten ist.
Der Staat versucht seit Jahren etwas dagegen zu tun, doch die Region ist so arm und die Autonomiebewegungen der reichen Regionen machen es auch nicht leichter.
Der Tourismus ist die größte Hoffnung der Region auf eine Besserung, denn Postosí hat eine wunderschöne Altstadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, mit Kolonialbauten und einer reichen Geschichte. Im Umland gibt es heiße Termalquellen und Vulkanlagunen. Zudem verfügt Potosí über ein vielfältiges Kultur- und Nachtleben.
Hoffen wir, dass viele Touristen in diese faszinierende Stadt kommen und ein Stück zum neuen Reichtum beitragen können, auch um das Leid der Minenarbeiter zu beenden.


