Pablo de Santis: “Die Fakultät” - Tolle Literatur aus Argentinien

Autor: Nina

Der Autor Pablo de Santis ist in seiner Heimat Argentinien sehr bekannt. Seine tolle Mischung aus Ironie, Krimi, Realität und Fiktionschwappt in den letzten Jahren nach und nach auch zu uns nach Europa. Doch bisher sind nur vier seiner doch sehr zahlreichen Werke ins Deutsche übersetzt. Eines davon ist sein wohl berühmtester Roman “Die Fakultät”.

Nach seinem Studium der Literaturwissenschaften hat Esteban Miró zunächst nur ein Problem: das liebe Geldverdienen. Zum Glück besorgt ihm seine Mutter, eine ehemalige Professorin, einen Posten als Biblothekar im Institut für Nationlae Literatur an der Uni von Buenos Aires.

Diesem Institut steht Professor Emiliano Conde vor. Dieser ist ein leidenschaftlicher Anhänger des Schriftstellers Homero Brocca. Doch mit Brocca gibt es leider nur ein Problem, was aber wohl auch seinen Ruhm ausmacht: Niemand weiß, ob er überhaupt je gelebt hat und, was er genau geschrieben hat. Von ihm gibt es nur einen bekannten Text, der aber in unzähligen Versionen, Kopien und Fälschungen existiert. Brocca selbst ist angeblich bei einem Schiffsunglück ertrunken. Doch ist das wirklich passiert?

Conde behauptet jedenfalls, dass er der einzige Mensch ist, der die Bücher Broccas gelesen hat, bevor diese vernichtet wurden und Miró soll nun aus dem vorhandenen Material der einzigen Erzählung den eigentlich Text rekonstruieren. Doch bald tauchen unerklärliche Wasserflecken an den Wänden auf…

Andere Professoren tauchen auf (zum Beispiel seine angebliche ehemalige Geliebte), die Conde von dem Werk Broccas abhalten wollen und Miró gerät zwischen die Fronten. Er beginnt auf eigene Faust in Sachen Brocca zu ermitteln und stößt schon bald auf die erste Leiche. Und immer mehr drohen die Wände der alten Bibliothek und des Labyrinths an Manuskripen und verschimmelten Büchern an den sich anstauenden Wassermassen zu bersten…

In “Die Fakultät” verschwimmen Realität und Fiktion zunehmend. So wird man selbst in da Spiel um Brocca hineingezogen und garantiert nicht mehr so schnell losgelassen. Allein schon die besondere Atmosphäre, die das Buch verbreitet ist meisterlich: Geheimnisvoll und ziemlich spannend.

Doch gleichzeitig ist es auch eine gelungene Satire auf den verstockten Literaturbetrieb und das Uniwesen. De Santis überspitzt das sich auftürmende Interpretieren von Texten, indem sie Texte interpretieren, von denen niemand weiß, ob sie überhaupt da sind. So untergräbt er alle Kritiker, die sich selber über die literarischen Werke stellen.

Ein kluges, ironisches und spannendes Stück Literatur aus Südamerika, die leider bei uns zum größten Teil viel zu wenig Beachtung findet (noch! ;-) )…




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