Mütter der Plaza de Mayo und ESMA-Gebäude in Buenos Aires - Gegen das Vergessen
Von 1976 bis 1983 wurde Argentinien von den Verbrechen der Militärdiktatur unter Jorge Videla und seinen Nachfolgern heimgesucht. Jeder, der der Regierung im Wege stand oder einfach eine andere Meinung vertrat, “verschwand” spurlos. Heute sind die Argentinier langsam dabei die Greueltaten aufzuarbeiten.
Die Desaparecidos (die Verschwundenen) wurden bei Nacht und Nebel einfach gefangen genommen und in eines der berüchtigten Folterzentren gebracht, die später mit den Konzentrationslagern der Nazis verglichen wurden. Hier wurden sie unbeschreiblichen Qualen ausgesetzt. Nicht einmal 5 % der Gefangenen überlebten die Torturen. Die Leichen wurden einfach im Atlantik “entsorgt” oder, noch schlimmer, die Desaparecidos wurden noch lebendig auf die sogenannten Todesflüge geschickt. Im Flugzeug betäubte man sie dann und warf sie nackt ins Meer.
Jahrelang konnte oder wollte den Militärs, die für all das verantwortliche waren, niemand den Prozess machen, da diese lange durch Amnestiegesetze und Gnadenerlasse geschützt waren. Erst Präsident Néstor Kirchner hob 2003 diese Gesetze und Regelungen auf, so dass die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft gezogen werden können.
Dieser Schritt ist wahrscheinlich auch der Verdienst der “Madres de Plaza de Mayo“. Diese Frauen sind Großmütter und Mütter der Verschwundenen. Seit über 30 Jahren fordert die Organisation beharrlich und unerschütterlich Gerechtigkeit für ihre Kinder. Es geht ihnen darum, dass die Verbrechen aufgeklärt werden und die Schuldigen bestraft.
Jeden Donnerstag seit 1977 treffen sie sich und umrunden eine halbe Stunde lang den Plaza de Mayo im Herzen von Buenos Aires. Ihr Symbol ist das weiße Kopftuch, das sie stets tragen.
Eines der größten Foltergebäude war das ESMA (Escuela Superior de Mecánica de la Armada), die Ausbildungseinrichtung der argentinischen Marine. In Zeiten der Militärdiktatur wurden hier wohl die meisten Leute getötet und gefoltert. Über 5.000 Menschen waren hier nach offiziellen Zahlen inhaftiert, inoffiziell weit mehr. Nur rund 200 überlebten…
Nach dem Ende der Militärdiktatur wurde es zunächst wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt, als wäre nichts geschehen. Erst wieder Néstor Kirchner machte das ESMA-Gebäude zum nationalen Mahnmal und einen Teil zum Museum. Doch was mit dem Rest der 34 Gebäude auf 17 Hektar Fläche machen?
Nach langen Diskussionen ist nun die Entscheidung gefallen. Ein großer Teil geht an die Organisation der Madres de Plaza de Mayo! Sie führen es nun der Allgemeinheit zu. Neben dem Museum betreiben sie eine Restaurant und eine Suppenküche für gute Zwecke. Zudem planen sie im ESMA eine Kunstakademie zu gründen.
Argentinien hat noch viel aufzuarbeiten, doch sie sind auf einem guten Weg…

