Ilha do Marajó in Brasilien - Größte Flussinsel der Welt

Autor: Nina

Im Norden Brasiliens, direkt im Mündungsdelta des Amazonas gelegen, befindet sich die größte Flussinsel der Welt, die Ilha do Marajó. Mit einer Fläche von fast 50.000 km² übertrifft sie die Fläche der Schweiz. Rund 50.000 Menschen leben hier, meist indianischer Herkunft.

Schon vor 3.000 Jahren lebten hier Menschen, die Hochkultur der Marajoara. Diese wurden Mitte des 17. Jahrhunderts von portugiesischen Priestern unterworfen und mischten sich mit afrikanischen Sklaven, die die portugiesischen Einwanderer mitbrachten. Da sie unter sich viele unterschiedliche Dialekte sprechen, wurden sie lange Zeit für mehrere Völker gehalten, bis sich dann herausstellte, dass es eben nur verschiedene sprachliche Ausprägungen eines großen Volkes waren.

Die Marajoara waren große Töpfermeister. Einige Familien, die auf der Ilha do Marajó leben, übern heute noch das Handwerk ihrer Urahnen aus. Doch die Kultur dieser indianischen Stämme ist bedroht und könnte in ein paar Jahren schon ganz verschwunden sein.

Auf Marajó gibt es im Grunde, wie im großen Rest des Amazonasbeckens, nur zwei Jahreszeiten: Die Zeit, in der es viel regnet (von Januar bis Juni) und die Zeit, in der es weniger regnet (von Juli bis Dezember). In den Regenzeiten sind weite Teile der Insel überflutet, so dass die meisten Dörfer auf Palisaden errichtet wurden.

Die Insel wartet mit einer riesigen Vielfalt an Pflanzen und Tieren auf, die jeden Besucher sofort faszinieren wird. Es gibt weite Savannen, Grasland, Sümpfe, Regenwald, unberührte Strände, einzelne Seen und an die 20 Flüsse. Vögel tummeln sich in Scharen. Es gibt aber auch Schlangen, Alligatoren und Piranhas. Doch, das Tier, das die Insel wohl am meisten prägt, ist der Büffel. Diese sind die Haupteinnahmequelle der Ilha do Marajó und die Lebensgrundlage für viele Bewohner.

Im Jahr 1920 soll ein asiatisches Lastschiff vor der Küste Brasiliens gesunken sein und eine kleine Herde von Büffeln konnte sich auf die Ilha do Marajó retten. Die heutigen Büffel sind also Nachfahren dieser Glückspilze. Sie dienen aber nicht nur dem Verkauf oder der Nahrungsdeckung, sondern vor allem als wichtige Lasttiere. Sie transportieren alles, von Müll bis Touristen. ;-) Denn sie sind extrem genügsame Tiere und können sich auch in Gebieten bewegen, wo Pferde oder Fahrzeuge aufgeben müssen, durch Schlamm, Sumpf oder Geröll.

Sogar die Polizei verwendet sie als Reittiere. (Da bekommt doch die Bezeichnung “Bulle” eine ganze neue Bedeutung :D ) Da in der Regenzeit viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten werden, erreichen die Polizisten mit den Büffeln trotzdem ihr Ziel, da die Tiere selbst mit einem Reiter auf ihrem Rücken sehr gute und ausdauernde Schwimmer sind. Jedes Jahr werden die besten Büffel jeder Zucht für den Polizeidienst ausgewählt.

Ein Besuch auf der Ilha do Marajó lohnt sich schon allein wegen dieser Kuriosität.




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