“Gigante” - Berlinale-Favorit aus Uruguay
Hier in Berlin, und wahrscheinlich nicht nur dort, scheinen fast alle im Berlinale-Fieber zu sein. Auch dieses Jahr sind wieder etliche tolle Filme im Rennen um den begehrten Goldenen Bären oder um einen der Silbernen. Noch während der Wettbewerb läuft, geben die Kritiker natürlich schon ihre Siegertipps ab.
Am meisten hat mich dabei gefreut, dass bei fast allen Experten ein Film aus Uruguay ganz oben steht. “Gigante” wird von allen gelobt und das mit Recht.
Es ist ein komischer, lakonischer und fast schon zärtlicher Film über ein Liebesgeschichte. Jara ist Sicherheitsbeamter in einem Supermarkt in einem Vorort von Montevideo. Sein Leben ist eher monoton. Durch die Kameras beobachtet er, meist in der Nacht, die Gänge und seine Kollegen. Tagsüber schläft er, spielt Videospiele oder lauscht seiner heißgeliebten Heavy-Metal-Musik.
Sein Leben ändert sich schlagartig als er die Putzfrau Julia durch seine Kameras entdeckt. Hals über Kopf verliebt er sich und beobachtet sie nun fast andauernd. Auch sein Privatleben richtet er ganz nach Julias Rhythmus aus. Doch sein Beobachten ist nicht das eines besessenen Stalkers, sondern eine reine, unschuldige Form, als sei er Julias Schutzengel.
Eines Tages werden mehrere Angestellte des Supermarkts gefeuert, unter ihnen auch Julia. Nun muss sich Jara entscheiden: Folgt er ihr oder spricht er sie gar doch noch an?
“Gigante” entfernt sich herrlich von den Latino-Klischees und der sonst im Zusammenhang mit Südamerika so häufig verarbeiteten Thematik von Gewalt, Armut oder Drogen.
Es ist einfach eine schöne Liebesgeschichte, die genauso überall anders auf der Welt passieren könnte. Und genau das ist die Stärke des Films. Man taucht in das Leben der Charaktere ein, ist nah bei ihnen, lernt sie kennen…
Wieder einmal beweist Uruguay, das es sich langsam zum hervorragenden Filmland mausert.

