Ein Krimi aus Brasilien
In seinem Krimi “Mord im August” schildert der brasilianische Schriftsteller Rubem Fonseca meisterlich und spannend den politischen Wandel seines Landes im Jahr 1954.
In genau diesem Jahr im August: Gertulio Vargas ist Präsident Brasiliens, doch im Land brodelt es. Es ist Zeit für einen politsichen Wandel, weg vom einst gefeierten Diktator. Und auch die Presse wettert gegen den Präsidenten, vorneweg sein Gegenkandidat und führender Journalist Carlos Lacerda.
Ein Attentat, das deshalb eigentlich für Lacerda gedacht war, tötet dessen Leibwächter, einen Major der Luftwaffe. Und während das Militär diesen zum Märtyrer aufbauscht, ist für Lacerdas vor allem eines klar, der Auftraggeber des Anschlags kann nur Vargas gewesen sein, woraufhin sich seine Artikel noch verschärfen. Forderungen nach einem Rücktritt werden im Volk immer lauter.
Zur gleichen Zeit wird Kommissar Alberto Mattos auf den Mord an dem Industriellen Aguiar angesetzt. Doch schnell überschneiden sich die Fälle und Matteo, stets melancholisch und Polizist aus Herz und Seele, erhält tiefe Einblicke in eine Staatskrise, die das ganze Land prägen sollte…
Fonseca schildert spannend und in alter Politthriller-Manier eine Welt aus Gewalt, Hedomismus und Korruption. Geschickt verknüpft er Fiktion und Wirklichkeit zu einer raffiniert durchdachten Geschichte. Das schöne dabei ist, dass er die historischen Daten nicht verändert, sondern nur persönliche Umstände dazudichtet. So lernt man nebenbei noch einiges über dieses historische Ereignis und interessiert sich für die Hintergründe. (Demnächst mehr zu Vargas, der sich als Resultat der Krise im August 1954 umbrachte)
Man spürt regelrecht die Depression, die damals in der Luft lag, aber auch den Volkeswillen etwas zu ändern, und dessen Ohnmacht angesicht der Macht einiger weniger.
Den Namen Rubem Fonseca, der in seiner Heimat schon lange zu den besten Autoren gehört, muss man sich unbedingt auch hierzulande merken!

