“Dr. Alemán” mit August Diehl - Ein Deutscher auf fataler Abenteuersuche in Kolumbien
Heute kommt der Film “Dr Alemán” in die Kinos, in dem August Diehl (”23″, “Die Fälscher”) einen jungen deutschen Arzt spielt, der in Kolumbien auf der Suche nach Abenteuer sich selbst verliert.
Marc ist 26, Medizinstudent und hat beschlossen sein Praxisjahr in Kolumbien, genauer gesagt in Cali, eine von Kolumbiens Kriminalitäts- und Drogenhochburgen, zu absolvieren. Schon am Flughafen kann er dem Sog dieser neuen Welt nicht wieder stehen und er stürzt sich blind und voller europäischer Ideale mitten hinein in den Sumpf Calis.
Schon an seinem ersten Arbeitstag im Krankenhaus wird klar, hier sind die häufigsten Verletzungen Schusswunden und häufig muss er Drogenbosse, Gauner und Mitglieder von Straßenbanden vor dem Tod retten. Doch Marc, voll von seinen romatischen Abenteuervorstellungen, begreift nicht den Ernst der Lage. Er will bewusst weg von der Routine, von den sauberen weißen deutschen Praxen.
Er beginnt eine Affäre mit der Kioskbesitzerin Wanda, die ihm die Tore zum Slum Siloé öffnet. Siloé der Ort mit dem schönsten Blick über die Stadt, aber auch einer der gefährlichsten Plätze in Cali, dort, woher fast alle Kugeln der Opfer im Krankenhaus herkommen. Doch auch hier wired Marc von der Favela aufgesaugt: Er spielt mit Dealern und Söldnern Fußball und hält sich, wohl vor allem durch seine Kokainkonsum, für unantastbar.
Als der Bandenboss El Juez, einer der gefährlichsten Männer Calis, Marc zu seinem Leibarzt machen möchte, bringt ihn das nicht nur in Konflikt mit Wanda und dem Krankenhaus, sondern vor allem mit seiner eigene Neutralität, an die er sich immer felsenfest geklammert hat. Doch da ist es schon zu spät…
“Dr Alemán” ist ein packender Film über die unbändige Gier nach Abenteuer, die einen manchmal die Realität vergessen lässt, aber vor allem ist es ein Porträt über den Zusammenprall verschiedener Kulturen und der Arroganz des Westens immer alles zu verstehen und besser machen zu können. Der Film zeigt deutlich, was passiert, wenn man zwanghaft versucht allen fremden Systemen unsere Werte überzustülpen. Oder wie August Diehl es in einem Interview formulierte: Der Film zeigt “das Scheitern an der importierten Sozialmoral“.
Ein wirklich packender Film von Thomas Schreiber, der vor Ort und vor allem, wie der Brasilianer Fernando Meirelles für seinen Film “City of God” (heute abend übrigens im TV zu sehen), mit einheimischen Jugendlichen drehte, was dem Film nochmal eine realere Ebene verleiht. Zudem spielen einige südamerikanische Schauspieler mit: die kolumbianische Theaterschauspielerin Marleyda Soto, Hernán Mendéz, Victor Villegas und Andrés Para.
Also, “Dr. Alemán” ab heute im Kino. Nicht verpassen…


