Die vier größten indigenen Völker Südamerikas - Teil 4: Die Guaraní
Im letzten Teil meiner kleinen Serie, will ich euch noch ein prägendes indigenes Volk Südamerikas vorstellen: Die Guaraní. Natürlich gibt es auch noch etliche andere große und vor allem wichtige Gruppen von Indigenas, die aber so zahlreich sind, dass ihre Vorstellung die Ausmaße dieses Blogs sprengen würde. Ich werde sie daher eher in aktuellen Artikeln erwähnen.
Nun aber zurück zu den Guaraní. Bereits in präkolumbianischer Zeit siedelte dieses Volk im mittleren Südamerika. Sie betrieben vor allem Ackerbau. Heute findet man sie vor allem in Paraguay, Brasilien, Uruguay, Argentinien und Bolivien. In Paraguay ist ihre Sprache, das Guaraní neben dem Spanischen Landessprache.
Obwohl die eigentlichen Guaraní heute nur noch rund 1% der Bevölkerung ausmachen, sprechen über 80% der Bewohner Paraguays Guaraní, denn früher war ihr Volk hier gut vertreten. Am wichtigsten ist aber, dass der erste spanische Gouverneur Paraguays die Vermischung und die Toleranz zwischen den Spaniern und den Indigenas förderte. So haben viele Paraguayaner Guaraní-Vorfahren, ohne dass sie zu dem Volk dazugerechnet werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt im Erhalt des Guaraní besteht in den sogenannten Jesuitenreduktionen (dazu in einem späteren Artikel mehr…). Der Jesuitenorden hatte schuf ab dem Jahr 1610 mehrere geschützte Siedlungen, in denen er Guaraní und andere indigene Völker aufnahm um sie vor Sklavenjägern und Ausbeutung zu schützen. Sie waren also sozusagen die ersten Indianerreservate Amerikas.
Dies förderte den Erhalt der Sprache der Guaraní, die ihren Ursprung eigentlich im Tupí findet. Das Volk der Tupí ist inzwischen leider ausgestorben, doch ihr Sprachstamm hat überlebt. Heute zählt man an die 70 Sprachen von unterschiedlichen indigenen Völkern zum Tupí, da sich jede einzelne von diesem einen Stamm ableitet. Der wichtigste ist die Tupí-Guaraní-Familie, die eben heute noch in mehreren Ländern von Millionen Menschen gesprochen wird.
Die Guaraní bemühen sich heute vor allem darum ihre Tradition aufrecht zu erhalten. Sie sind traditionelle Waldbewohner, die sich in kleinen Dorfgemeinschaften zusammenschließen, welche mit kleinen Straßen verbunden werden. Bei ihnen ist das regelmäßige Wandern von Dorf zu Dorf ein wichtiger Brauch . So schützen sie ihr Reservat und leben vor allem in Naturschutzgebieten. Doch ihre “Idylle” ist von illegalem Holzeinschlag, Straßen- und Staudammprojekten und dem Tourismus bedroht.
Das Volk nennt die Erde auch “Die Ruhestatt der Schmerzen und Schwierigkeiten”. Sie glauben daran, dass die Natur den Menschen alles gegeben hat um diese Schwierigkeiten zu meistern. Man muss sie nur richtig und vor allem bewusst und mit Bedacht nutzen. Daher bemühen die Guaraní sich stets im Einklang mit der Natur zu leben und vor allem ihre Spiritualität zu erkennen.
Diese Einstellung kollidiert natürlich häufig mit der Vorstellung der Weißen, so dass die Guaraní in vielen Gegenden, vor allem in Brasilien (wo die katholische Kirche einen großen Einfluss hat), nicht gern gesehen sind und es auch versucht wird sie zu vertreiben.
Man kann nur hoffen, dass es den Guaraní am Ende nicht so geht wie ihren Verwandten, den Tupí, sie nach und nach austerben und nur noch ihre Sprache zurückbleibt. Daher ist es für jeden Staat enorm wichtig, die Rechte der Indigenas zu stärken.


