Die vier größten indigenen Völker Südamerikas - Teil 3: Die Mapuche
Alle indigenen Völker Südamerikas haben so ihre Eigenheiten und Besonderheiten. Und das Volk der Mapuche ist wohl vom geschichtlichen her eines der faszinierendsten, denn sie schafften es sogar die Kolonisation als eigenständiger Staat zu überstehen.
Das angestammte Gebiet der Mapuche erstreckt sich über weite Teile Argentiniens und vor allem Chiles. Ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet reicht von Norden nach Süden rund 1600 km. Innerhalb dieses Volkes gibt es unterschiedliche Ausprägungen, doch, was sie alle vereint ist, dass sie schon immer ein ziemlich stolzes Volk, im positiven Sinne, waren und sich erst in der Neuzeit (!) haben kleinkriegen lassen.
Das Wort “Mapuche” bedeutet in ihrer Spracher, dem Mapudungun, “Menschen der Erde“. Und dies nicht ohne Grund, denn in ihrem Glauben spielt die Mutter Erde eine große Rolle. Sie lebten, und leben heute noch zum Teil, in großen Häusern aus Lehm und Stroh, die keinen Fußboden hatten, so dass nichts zwischen Mutter Erde und den Menschen kommen kann.
Als im Jahr 1546 die ersten spanischen Konquistadoren an den Fluss Bío Bío, dem größten Ballungsgebiet der Mapuche, kamen, hinderten die Mapuche die Kolonisatoren von Beginn an sich sesshaft zu machen und vor allem Festungen zu errichten. Erst vier Jahre später gelang es den Spaniern eine kleine Stadt zu gründen, Concepcíon. Das bedeutete für die Mapuche Krieg, da sie systematisch von ihrem Land verdrängt wurden. Der folgende Kampf der Mapuche gegen die Spanier ist einmalig in der Geschichte Südamerikas, denn als einziges indigenes Volk gelang es den Mapuche sich erfolgreich gegen die Besatzer zur Wehr zu setzen.
Fast hundert Jahre lang kämpften sie unnachgiebig für ihr Land und ihre Rechte. Auf beiden Seiten gab es große Verluste, doch schließlich musste Spanien im Jahr 1641 offiziell die unabhängige Mapuche-Nation anerkennen. Ein wahrhaft historisches Ereignis. Erst im Jahr 1883 wurde dieser Mapuche-Staat dann endgültig Chile einverleibt.
Eine der wohl skurrilsten Episoden der chilenischen und mapuchischen Geschichte ist die kurze Gründung des “Königreichs Araukanien und Patagonien“. Im Jahr 1858 reiste ein französischer Rechtsanwalt nach Patagonien, dem Land der Mapuche. Er war von der Idee besessen zusammen mit dem indigenen Volk ein Königreich zu errichten. Nachdem er eine Weile bei den Mapuche gelebt hatte, legte er ihnen 1860 eine Verfassung vor und konnte sie überzeugen ihn zum König von Araukanien und Patagonien zu ernennen. Zunächst ignorierte ihn die chilenische Regierung. Doch im Jahr 1862 wurde es ihnen dann doch zu bunt und sie schifften ihn zurück nach Frankreich. In den folgenden Jahren versuchte der besessene Möchtegern-König verzweifelt, aber erfolglos, immer wieder nach Patagonien zurückzukehren…:D
In der Neuzeit, nachdem die Mapuche ihres Staates und damit eines Teils ihrer Identität beraubt wurden, erging es ihnen so wie den meisten anderen indigenen Völkern. Sie verloren ihren Grundbesitz und wurden in ihren Rechten eingeschränkt. Allein Salvador Allende versuchte ihre Rechte zu stärken, doch als Pinochet an die Macht kam wurden sie sogar gezwungen ihre Kultur aufzugeben und wurde schlimmen Repressalien ausgesetzt.
Bis heute leugnen nationalistisch denkende Chilenen die Existenz der Mapuche, die allein in Chile immerhin noch über 600.000 sind. Die radikaleren Mapuche lehnen es auf der andere Seite ab, sich als Chilenen zu bezeichnen. Und so spitzt sich, auch unter dem Aspekt des verlorenen Grundbesitzes, die Lage immer mehr zu. Und auch um die Ressourcen wie Holz und Wasser müssen sie kämpfen. Erst dieses Jahr kam es wieder zu blutigen Krawallen.
Über das faszinierende und beeindruckende Volk der Mapuche gibt es noch viel, viel mehr zu erzählen. Die wichtigsten Fakten, die hier leider keinen Platz mehr haben, sind bei Wiki gut zusammengefasst…


