Die vier größten indigenen Völker Südamerikas - Teil 2: Die Quechua
Wie alle indigenen Völker oder Ureinwohner überhaupt auf der Welt ist auch die Geschichte der Quechua leider von Ungerechtigkeiten, Verfolgungen und Greueltaten bestimmt. Die Quechua oder auch Quechua-Indianer kommen in weiten Teilen von Peru, Ecuador, Bolivien, Kolumbien und Argentinien vor.
Im Gegensatz zu z.B. den Aymara haben sie so gut wie keine gemeinsame Identität, obwohl sie sich in vielen Riten gleichen. Als Quechua bezeichnet man daher alle Menschen (ca. 9-14 Millionen), die eine Form der Sprache Quechua sprechen, wobei es dabei auch unzählige unterschiedliche Dialekte gibt.
Eine Form des Quechua wurde bereits von den Inkas gesprochen, aber auch in Abwandlung von einigen ihrer Feinde. Doch neueste Forschungen haben ergeben, dass in der Region um Cusco die Sprache bereits vor den Inkas gesprochen und dann erst von diesen übernommen wurde. Dies ist ein Grund warum es heute so viele unterschiedliche Ausprägungen der Sprache gibt.
Erst in neuester Zeit bemühen sich die Völker um eine gemeinsame Identität und haben einigen Organisationen und Zusammenschlüsse gegründet, wie die ECUARRUNANI in Ecuador oder die “Quechua-Nation” in Bolivien. Die meisten Quechua bezeichnen sich selbst als “Runakuna”, was einfach soviel wie Menschen heißt. Neben dem Spanischen und dem Aymara ist Quechua die Amtssprache in Peru und Bolivien.
Doch obwohl es soviele unterschiedliche Dialekte gibt, haben die Quechua doch einige grundlegende Lebensformen gemeinsam. Nach alter Tradition leben einige noch heute in den Anden in Dorfgemeinschaften (ayllu). Dabei leben sie vor allem von der Landwirtschaft, wobei die Anbauflächen dem ganzen Dorf zur Bewirtschaftung zusammen gehören. Sie unterscheiden in zwei Grundtypen der Arbeit: Minka, das ist die Arbeit an gemeinschaftlichen Projekten, und Ayni, das ist die Hilfe untereinander, nach dem Prinzip “Du tust mir einen Gefallen, also tue ich das Gleiche bei Zeiten auch für dich”.
Eine weitere kulturelle Gemeinsamkeit ist das Kunsthandwerk und das Weben mit Baumwolle oder Wolle, von z.B. Alpakas oder Lamas, mit den typischen traditionellen Mustern.
Doch, wie schon gesagt, ist ihre Geschichte vor allem durch Verfolgung und Unterdrückung bestimmt. Schon während der Kolonialzeit wurden ihnen von den Großgrundbesitzern ihre Ländereien weggenommen und sie selbst in Schuldknechtschaft gesteckt. Hierbei kam es häufig zu Aufständen, die meist blutigh niedergeschlagen wurden.
Ende der 1960er Jahre kam es zwar in Bolivien und Peru zu Agrarreformen, wo der indianischen Bevälkerung ihr Lnad wieder zurückgegeben wurde, aber immer nur an einzelne Personen und nie an eine Dorfgemeinschaft. Dies bedeutete einen großen Bruch mit ihren bisherigen Traditionen.
Und auch in jüngster Zeit waren die Quechua häufig Opfer politischer Konflikte. Im peruanische Bürgerkrieg in den 1980er Jahren wurden rund 700.000 Quechua getötet und in den 90ern wurden über 200.000 Quechua- und Aymara-Frauen zwangssterilisiert.
Religiös unterscheiden sie sich wenig von den Aymara. Sie sind größtenteils katholisch, aber der Glaube an die alten Naturgeister hat überlebt. So vermischen sich diese beiden Glaubensformen. Die Erdenmutter Pachamama wacht über sie. Eine große Rolle spiele auch noch die Berggeister und einige Lokalgottheiten.
In jüngster Zeit stärken sich zum Glück die Rechte der indigenen Bevölkerung wieder, besonders durch die linken Regierungen. Hoffen wir, dass es so bleibt bzw. sich noch weiter verbessert.


