Die Inka - Hochkultur von nur kurzer Dauer (Teil 3: Kalender, Astronomie und Medizin)

Autor: Nina

Wie fast alle ehemaligen Hochkulturen Südamerikas waren die Inka besonders in Dingen der Wissenschaft hoch entwickelt. In einer Zeit als bei uns in Europa man von Ärzten nur träumen konnte und man annahm, die Welt sei eine Scheibe, haben die Inka bereits erfolgreich operiert oder anhand der Sterne einen fast exakten Kalender berechnet.

Ähnlich wie bei den Maya spielten die Sterne auch bei den Inka eine wichtige Rolle für die Gesellschaft und die Religion. Sie errichteten zahlreiche Observatorien zum Beobachten und Berechnen gewisser Sternkonstellationen. So ist z.B. der große Sonnentempel in Cusco, Coricancha, genau nach dem Verlauf der Sonne ausgerichtet. Innen ist er verziert mit Symbolen, die auf astronomische Erkenntnisse hinweisen.

Auf der bolivianischen Seite des Titicacasees liegt der Wallfahrtsort Copacabana. Oberhalb dieses kleinen Städtchens liegt eine Art Felslabyrinth, das sich ebenfalls als eine Art Observatorium herausgestellt hat. So ist es präzise nach der Ost-West- und der Nord-Süd-Achse ausgerichtet. In einer Felswand gibt es eine Öffnung, durch die genau am Tag der andinen Wintersonnenwende das erste Licht des Tages auf einen gegenüberliegende Granitbalken scheint. Zu Zeiten der Äquinoktien wirft ein rund 40 m entfernter Visierstein einen dreieckigen Schatten auf genau diesen Granitbalken.

Dies sind nur ein paar Beispiele der hochentwickelten astronomischen Kenntnisse der Inka. Erwähnenswert ist noch, dass unsere Sternbilder auch den ihren entsprachen, nur waren es andere Symbole: unser Sternbild der Leier entsprach dem Lama, der Skorpion dem Puma, und das Sternbild der Plejaden war in den Augen der Inka die Abbildung von feiernden Müttern.

Nach diesen astronomischen Berechnungen erstellten sie dann auch ihren Kalender. Er hatte wie der unsere 365 Tage mit zwölf Monaten. Der einzige Unterschied zu unserem war, dass bei den Inka jeder Monat 30 Tage hatte. Die restlichen fünf, bei Schaltjahren sechs, Tage des Jahres war traditionell freie Zeit. Das Jahr begann im Dezember und der letzte Monat war der November.

Der Kalender orientierte sich stark an der Arbeit der Bauern, so schrieb jeder Monatsname vor welche landwirtschaftliche Tätigkeit nun zu verrichten war. In jedem Monat gab es zudem mindestens einen Feiertag, an dem ausgelassen gefeiert wurde.

Aber nicht nur in der Astronomie oder im Kalenderwesen waren die Inka gut entwickelt. Sie verfügten über umfassende medizinische Kenntnisse. So hat man anhand von Schädelknochen feststellen können, dass die Inka in der Lage waren selbst schwere Kopfverletzungen zu operieren. An manchen Köpfen hat man bis zu fünf verheilte Wunden finden können.

Auch der Einsatz von pflanzlichen Arzneien war sehr beliebt und häufig auch wirksam. So wurden Cocablätter, die auch noch heute von vielen Indigenas benutzt werden, dazu eingesetzt Schmerzen oder Hunger zu lindern. Ein Tee aus Cocablättern half gegen Erbrechen, Blutungen oder die Höhenkrankheit.

Damit sich die Wunden nicht entzündeten wurden sie ausgebrannt und dann mit den Kieferzangen von Ameisen akribisch verschlossen. Aus vielen Rinden oder Blättern extrahierten die Inka Heilmittel, die sie dann gegen alle möglichen Krankheiten einsetzten, wie z.B. der gekochte Sud der Rinde des Pfefferbaumes half, dass Wunden schneller heilten. Sie kannten alle Arten von Heilmitteln, von Einschlafhilfen über Mittel gegen Halsschmerzen bis hin zu Arzneien gegen Rheuma. Auch die heißen Thermalquellen nutzten die Inka gerne für eine Art Wellness-Programm. Als die Spanier kamen hielten sie die Inka deshalb für primitiv, da zu dieser Zeit in Europa noch die Vorstellung dominierte, dass häufigeres und v.a. langes Baden schädlich sei.

Die europäischen Eroberer zerstörten all diese Errungenschaften der Inka und noch viele weitere… Es ist immer wieder faszinierend, was im Laufe der Geschichte im Namen des Fortschritts an Wissen vernichtet wurde.

in der Onlineausgabe der Zeit gibt es einen interessanten Artikel über den Einsatz der Inkamedizin heute.

… Fortsetzung folgt - Teil 4: Gesellschaft und Alltag der Inka…




verwandte Beiträge

Deine Meinung:

  Name [*]

  Email [*]

  Website

Kommentar schreiben: