Die Harpyie - Mächtiger Greifvogel des Amazonas
Harpyien waren in der Mythologie der alten Griechen schreckliche Monster mit dem Körper eines Greifvogel und dem Kopf und den Armen einer Frau. In den Sagen stahlen sie Kinder und dringend benötigte Lebensmittel. Ein Stückchen dieses Mythos hat überlebt und so ist es nicht verwunderlich, dass einer der größten und stärksten Greifvögel des Regenwalds nach diesen Dämonen benannt ist: die Harpyie.
Ja, diese Vögel können schon etwas furchterregendes haben, denn sie gehören zu den größten Greifvögeln der Welt und sind von der Physis her wohl die Stärksten überhaupt. Die Flügelspannweite dieser faszinierenden Tiere kann bis zu 2,50 m erreichen, bei einer Körperlänge von 80 bis 100 cm. Sie wiegen zwischen vier und neun Kilo, wobei die Männchen deutlich kleiner sind als die Weibchen. Ihre Klauen sind sehr lang (rund 7 cm) und extrem kräftig.
Das auffälligste Merkmal der Harpyien ist aber ihr breiter Federschopf am Hinterkopf. Im normalen Zustand liegt dieser am Kopf an, doch ist der Vogel erregt, ist zum Beispiel ein Opfer in Sicht oder wittert er eine Bedrohung, so richten sich diese Federn auf und verleihen ihm ein grimmiges Aussehen.
Die Lieblingsspeisen dieser Tiere sind vor allem Faultiere und Affen. Zur Not essen sie auch mal Opossums, Nasenbären, kleinere Vögel oder auch Schlangen oder Echsen. Ist die Beute einmal in die kräftigen Klauen des Vogels geraten, gibt es kein Entrinnen mehr. Sie töten die Beute bereits mit den Krallen, der Schnabel ist dann nur noch zum Zerteilen und Fressen da.
Der Lebensraum der Harpyien erstreckt sich vom Süden Mexikos über den Amazonas bis hin nach Brasilien und Argentinien. Tief in den Wipfeln des Regenwalds bauen sie ihre Nester in einer Höhe von bis zu 55 m. Hier ziehen sie auch ihre Jungen bis zu einem Alter von 70 Tagen auf, wobei in dieser Zeit das Weibchen stets bei den meist drei Jungtieren bleibt und das Männchen die kleine Familie versorgt. Die Brutzeit beträgt 56 Tage, was der längste bisher bekannte Zeitrahmen bei Greifvögeln ist.
Durch die lange Brut- und Aufzuchtphase brüten Harpyien nur etwa alle zwei Jahre. Das ist auch einer der Gründe warum die Harpyien bald vielleicht auch zu den gefährdeten Tierarten gehören werden, denn die Menschen machen gezielt Jagd auf sie oder roden ihren Lebensraum. Bei diesen langen Brutabständen können sie sich nur sehr langsam wieder erholen.
Wieder eine faszinierende und stolze Tierart, die der Mensch nach und nach zerstören wird…

