Der Piranha - Mythos und Wahrheit eines Raubfisches im Amazonas

Autor: Nina

Der Amazonas bricht immer wieder alle Rekorde. In seinen gewaltigen Wassermassen findet man eine immense Artenvielfalt an Fischen, die selbst die gesamte Anzahl an Fischarten im Atlantik übersteigt. Einer der berühmtesten und wohl auch berüchtigsten Bewohner ist der Piranha.

Man nimmt an, dass im Amazonas über 5.000 verschiedene Arten von Fischen leben, von denen man mit viel Glück gerade mal 2.000 bis 3.000 kennt. Nicht einmal die Ureinwohner wissen über das volle Leben in den Gewässern bescheid. Und so ist es auch kein Wunder, dass es über etliche Lebewesen viele Legenden gibt. So auch zum Piranha.

Was stimmt, ist, dass er wohl zu den aggressivsten Raubfischen der Erde gehört. Er hat messerscharfe Zähne, mit denen er durch Rüttelbewegungen, ähnlich denen des Hais, seiner Beute die Fleischstücke herausreißt. Doch Fakt ist, dass der Piranha ein “Herdentier” ist. Er fühlt sich also nur in seinem Schwarm stark. Ist er alleine, oder wird der Schwarm eingeschlossen, reagieren die Fische mit Panik und werden nur dann wirklich gefährlich.

Bisher ist noch kein einziger Mensch von den Fischen tödlich verletzt worden, denn ein Piranha ist in der Regel zwischen 15 bis 40 cm groß und mit so einem kleinen Maul kann man ja wohl keinen Menschen verschlingen… ;-) Was schon häufiger vorgekommen ist, ist, dass ein Mensch von einem Piranha in Bedrängnis gebissen worden ist. Die Wunde ist dann schon beträchtlich, aber man stirbt keinesfalls daran, vor allem da Piranhas nach einem Biss erst einmal zum Fressen wegschwimmen.

Der Mythos von dem gefährlichen allesverschlingenden Raubfisch, stammt wohl einerseits auch daher, dass einige Naturvölker im Amazonas den Brauch haben, ihre Toten erst als Skelett zu begraben. So halten sie die Leichen in kleinere Piranhabecken und diese fressen dann das Fleisch von den Knochen. (Bereits Alexander von Humboldt, der die Fische als Erster beschrieb, zeigte sich durch solche Rituale beeindruckt und trug daraufhin einiges zum Schreckensmythos bei.) Piranhas sind nämlich auch Aasfresser. So erfüllen sie eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Sie fressen tote oder kranke Tiere und verhindern so das Ausbrechen von Seuchen und Epidemien.

Daher sind Piranhas auch extrem resistent gegen Krankheiten und haben eine wahnsinnig schnelle Wundheilung. Ansonsten ernähren sich diese Fische vor allem von kleinen Fischen und Krustentieren. Nur ab und zu greifen sie auch größere Wirbeltiere an. Die natürlichen Feinde des Piranha sind der Amazonasdelfin, größere Raubfische, Kaimane, Greifvögel, oder, wenn man als Piranha verletzt ist, dann eben auch die eigenen Artgenossen.

In den lichtarmen Gewässern Südamerikas findet man 39 bekannte Arten, davon leben allein 25 im Amazonasbecken. Die Fische lieben dunkle und möglichst ruhende oder stehende Gewässer.

Für viele Einheimische ist er außerdem ein beliebter Speisefisch. Daher und aufgrund seiner Rolle im Ökosystem wird er von vielen Südamerikanern sehr verehrt. Im Gegensatz zu uns, ist bei ihnen der Ruf des Piranha also besser. Viele Einheimische baden auch bedenkenlos in Piranha-Gewässern.

Piranhas sind also, ähnlich wie Haie, Lebewesen, die zu Unrecht solch einen schlechten Ruf genießen…

Ach übrigens, inzwischen werden von einigen Piranhas gerne im Aquarium gehalten.




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