Der Gewinner der Berlinale kommt aus Peru: “La Teta Asustada”
Felicitaciones Peru! Die diesjährige Berlinale neigt sich dem Ende zu. Gestern wurden die begehrten Bären vergeben. Und der Goldene ging dann auch prompt nach Südamerika: “La Teta Asustada” (”Milch des Leids”) aus Peru ist der große und überraschende Gewinner des Filmfestivals.
In dem Film behandelt die Regisseurin Claudia Llosa, Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa, die Jahre des Terrors in Peru: von 1980 bis 2000 bekriegten sich in Guerillakämpfen die Gruppierung “Leuchtender Pfad” (dazu demnächst mehr) und die Regierung. Fast die gesamte Bevölkerung hatte schrecklich darunter zu leiden und ist bis heute traumatisiert.
Genau diese Traumatisierung hat sich Llosa zum Thema gemacht, doch ihr Film ist alles andere als politisch oder behandelt den Terror im Einzelnen. Es geht allein um die Emotionen der Menschen und deren Umgang damit, allen voran der Frauen.
In Peru glaubt man, dass schlimme Erlebnisse mit der Muttermilch an die Kinder weiter gegeben werden, was wir hier als psychische Krankheit sehen würden. Schon zu Beginn des Films muss die junge Fausta mit ansehen wie ihre Mutter stirbt. Diese wurde, während sie mit Fausta schwanger war, brutal vergewaltigt und ihr Mann vor ihren Augen ermordet.
Fausta muss sich nun irgendwie um die Beerdigung ihrer Mutter kümmern, doch dazu muss erst einmal Geld her. Das Mädchen wird von düsteren Gedanken heimgesucht und hat stets Angst vergewaltigt zu werden. Daher steckt sie sich eine Kartoffel in ihre Vagina. Dieses Symbol begleitet sie durch den ganzen Film: wie ein Tumor fängt sie an in ihr zu sprießen. Wird sie ihn los?
Dies nur als kleinen Überblick über “La Teta Asustada“, denn er dreht sich in erster Linie um den Kontrast von Faustas düsterer Innenwelt und der Äußeren, die eigentlich alles andere als dunkel zu sein scheint. Es sind bewegende, manchmal leicht skurrile und mitreißende Bilder, die auch zeigen wie sehr wir mittlerweile die Retorten-Produktionen der USA und auch Europas gewöhnt sind. Die meisten dieser Filme konnten bei der Berlinale nicht einmal ansatzweise mit der Intensität der peruanischen Produktion mithalten. Eine tolle und absolut richtige Wahl der Jury!
Ach ja, und noch ein südamerikanischer Film konnte punkten. “Gigante” aus Uruguay gewann gleich drei Bären: den Großen Preis der Jury, den besten Erstling und den Alfred-Bauer-Preis.
Weiter so!
Nähere Infos zum Film und eine gute Rezension gibts hier…

