Der Chacokrieg zwischen Bolivien und Paraguay - Kampf um Land und Öl
Einer der Kriege, der sowohl Bolivien als auch Paraguay als eine der brutalsten Auseinandersetzungen noch heute im Gedächtnis ist, ist der sogenannte Chacokrieg (”Guerra del Chaco”). Und schon damals ging es, wie heute, vor allem ums Öl.
Direkt an der Grenze zu Bolivien und Paraguay liegt das Gran Chaco, ein noch heute relativ dünn besiedeltes Gebiet. Auf dieses Territorium erhob bereits im Jahr 1852 Bolivien Anspruch und Paraguay zog nach. Seitdem bemühten sich beide Seiten in die unbewohnten Steppen- und Sumpflandschaften des Gebietes vorzudringen und dort kleine Stellungen zu errichten.
Im Jahr 1906 begann dann Bolivien im Gran Chaco mit einer Befestigungsanlage und dies in einem Gebiet, das Paraguay bereits als sein Eigentum ansah. Der Grund warum das Gran Chaco so wichtig war, konnte natürlich nur einer sein… Richtig, hier wurden Bodenschätze vermutet, allen voran Erdöl. Und wo Ressourcen sind, war auch damals schon der Westen nicht weit… In Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Firma Standard Oil ordnete Bolivien einige Probebohrungen an. Paraguay vergab unterdessen die Ölkonzession für das Gran Chaco an den britischen Konzern British Petroleum. Beide Parteien bestanden natürlich unter Druck der USA und Großbritanniens auf seinem Recht.
Und so kam es zunächst zu einer Vielzahl von Zwischenfällen, bis dann schließlich 1932 der Chacokrieg ausbrach. Dieser war von äußerster Brutalität gekennzeichnet, denn beide Seiten kämpften extrem verbissen. Zunächst sah es so aus, dass die besser ausgebildete und ausgerüstete bolivianische Armee siegen würde, doch dann wurde Paraguay von Argentinien unterstützt und konnte so die Oberhand gewinnen. Brasilien unterstützte zwar Bolivien, doch am Ende nützte es Bolivien nichts.
Interessant ist aber vor allem wieder einmal der Einfluss des Westens: Frankreich, Großbritannien, England und die USA lieferten Waffen aus dem ersten Weltkrieg an beide (!) Seiten. Auch waren einige spätere deutsche SS- und SA-Offiziere, wie der Chef der SA und Freund Hitlers, Hauptmann Ernst Röhm, als Berater tätig…
Taktisch und organisatorisch konnten sich am Ende dann die Paraguayer gegen Bolivien durchsetzen. Am 12. Juni 1935 wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Drei Jahre später wurde der Friedensvertrag ausgearbeitet, in dem Paraguay dem größten Teil des Gran Chaco erhielt. Paraguay verdoppelte so sein Territorium, während Bolivien rund 200.000 km² verlor. Wichtige Ölquellen gab es aber auf beiden Seiten.
Doch egal wieviel Öl jeder am Ende bekam, die Verluste waren für beide Parteien immens. Nach neuesten Zahlen kamen im Chacokrieg ungefähr 60.000 Bolivianer und 50.000 Paraguayer ums Leben. Von den Greueltaten berichten heute noch etliche Zeugnisse…


