Chinelos: Bunte Kostüme mit langer Tradition
Farbenprächtig- so sind die meisten Feierlichkeiten in Lateinamerika, respektive Mexico, und zu oft kann man als Außenstehender den Ursprungsanlass nicht genau verstehen. So auch bei unserem heutigen Thema den Chinelos.
Bei den Chinelos handelt es sich um ungemein große und farbenfrohe, ja schon fast grellbunte, Kostüme, die im Staat Morelos für den so genannten „Brinco de los Chinelos“ getragen werden. Dazu gehört auch eine Gesichtsmaske, die vor allem durch ihr langes „Schumi-Kinn“ beeindruckt und darüber trägt man noch einen hohen Hut.
Aussehen der Chinelos
Das Kostüm kann neben den zahlreichen Farben auch noch Abbildungen aus der präkolumbianischen Zeit, also Aztekenkrieger und Götterfiguren, aufweisen oder aber auch Darstellungen der Jungfrau von Guadelupe.
Bei dem erwähnten „Brinco de los Chinelos“ handelt es um einen traditionellen Tanz in, der in mehreren Dörfern vor Mexiko beheimatet ist, und mit diesen Kostümen aufgeführt wird. Wichtig ist dabei, dass jedes Dorf eine andere Farbgebung für seine Kostüme hat und sie somit eindeutig identifiziert werden können. Eine schöne Kultur und praktisch obendrein. So sind die Chinelos in Tepoztlán eher in schwarz gehalten, während man sich in Tlayacapan für die Farbe Weiß mit blauen Biesen aus Velours entschieden hat.
Ursprung der Chinelos
Ihren Ursprung hat diese Tradition in der Epoche des spanischen Vizekönigreiches Neu Spanien. Spanier und Kreolen, die in Mexiko geborenen Nachfahren der Spanier, veranstalteten zum Karneval beeindruckende Feiern, zu denen sie den Mestizen und Indios den Zugang verwehrten. Die Reichsten unter den Spaniern prahlten bei diesen Festivitäten mit ihrem Wohlstand in dem sie sich in Gewänder kleideten die nur aus den feinsten Stoffen bestanden und üppig verziert waren.
Die Ausgeschlossenen begannen ab einem bestimmten Zeitpunkt den Spieß umzudrehen. Da sie nicht mitfeiern durften, stellten sie kurzerhand ihre eigenen Feierlichkeiten auf die Beine und machten sich darüber hinaus mit ihren Verkleidungen auch noch über die Spanier und Kreolen lustig. Um nicht erkannt zu werden benutzte man dafür eben jene rosaroten Masken mit dem großen Kinn, kleidete sich in Trachten die jenen der weißen Oberschicht ähnelten und zog so die Kostüme der Reichen und Schönen durch extreme Verzierungen mit Perlen, Spiegeln, Glaskügelchen und zylinderförmigen Hüten durch den Kakao.
Auf den untenstehenden Fotos könnt ihr zwei Chinelos sehen die mir Ende Februar vor die Kamera liefen und an denen man sehr gut den vor Jahrhunderten typischen Bart der Oberschicht sowie die blassrosa Gesichtsfarbe erkennen kann. Zudem sieht man auf den Kostümen auch Motive aus der Zeit vor den Spaniern.
Das Wort Chinelo, welches aus dem Náhuatl stammt, kann auf zweierlei Arten übersetzt werden. Einerseits kann es so viel bedeuten wie „ jemand der sich viel auf sich selber einbildet und rote Haut hat” oder aber „jemand der es versteht die Hüften und Beine zu bewegen”.
…welche Übersetzung nun stimmt könnt ihr ja am besten selber einmal bei einem Ausflug in eines der Dörfer überprüfen.

