Carlos Balmaceda: “Der Venusmörder” - Thriller aus Argentinien nach einer wahren Geschichte
Krimis und Thriller aus Südamerika haben für mich stets ihren eigenen Charme, denn sie grenzen sich stilistisch deutlich von den meisten “westlichen” Büchern ab. Sie sind sprachlich meist aufwendiger, durchdachter und haben häufig einen Tick zum Philosophischen und Mystischen, was ich persönlich sehr gerne mag.
So geht es auch mit dem Thriller “Der Venusmörder” des argentinischen Schriftstellers Carlos Balmaceda, der nun endlich auch auf Deutsch erschienen ist (Original auf Spanisch aus dem Jahr 2001). Balmaceda hat sich für seine spannende Geschichte einen wahren Fall als Ausgangspunkt genommen und diesen dann mit eigentümlichen Charakteren und einem fiktiven Verlauf ergänzt.
In Mar del Plata, einem beliebten Ferienort an der Küste Argentiniens, geht ein brutaler Serienkiller um (diesen gab es wirklich). Vor allem im Rotlichtviertel La Perla hat er es nach und nach auf die Prostituierten abgesehen. Unter diesen geht logischerweise die Angst um, denn jeder nächste Freier könnte der Mörder sein. Plötzlich schlägt dieser zu und hinterlässt bei jeder Tat keine Spuren. Die Leichen legt er im Straßengraben ab und die Abstände zwischen den Morden werden immer kleiner…
Drei Charaktere sind nun auf den Spuren des Killers: Comisaro Bilbao, der stets den Täter um ein Haar zu verpassen scheint. Er möchte die Öffentlichkeit beruhigen und schützen, doch aufgrund von Intrigen im eigenen Lager muss er auch noch versuchen seinen eigenen Hals zu retten.
Neben dem Comisario jagt ein Journalist den Killer. Doch ihm geht es mehr um die nächste Schlagzeile und den damit verbundenen Ruhm. Bei seinen Recherchen ist er selbst dem Rotlichtviertel nicht abgeneigt und geht dabei auch meist ziemlich brutal vor.
Und dann ist da noch ein Blinder mit visionären Fähigkeiten. In seinen Träumen sieht er Wahrheiten des Lebens und kommt so dem Mörder gefährlich nahe.
Um diese Wahrheiten des Lebens dreht sich dann auch die Kernaussage von “Der Venusmörder”. Jeder der Protagonisten ist in seiner eigenen Wahrheit verhaftet, die sie sich selbst geschaffen haben. Doch manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht bzw. sind nicht bereit unsere eigenen Wahrheiten zu überdenken und übersehen so meist den wahren Kern, der direkt vor unserer Nase liegt. Und ab und an werden uns einfach Dinge als Wahrheit verkauft…
Es ist ein mitreißendes Buch, das einem einen Schauer über den Nacken laufen lässt und man es trotzdem, oder gerade deswegen, nicht weglegen kann. Der Stil ist im Vergleich zu vielen unserer Kommerz-Krimis wohltuend anspruchsvoll und fesselt einen von der ersten Seite an. Südamerikanischer Thriller at its best!

