“Botero - Geboren in Medellín” - Peter Schamonis Porträt des kolumbianischen Künstlers

Autor: Nina

Fernando Botero - Er ist wohl der bekannteste Künstler Südamerikas. Zum 75. Geburtstag des Künstlers hat der deutsche Filmemacher Peter Schamonis Botero ein filmisches Denkmal mit dem Titel “Botero - Geboren in Medellín” gesetzt.

Wie kaum ein Anderer repräsentiert Fernando Botero das Bild der lateinamerikanischen Kultur. Er selbst bezeichnet sich als den “kolumbianischsten aller kolumbianischen Künstler” und dies nicht zu Unrecht. Genießt er doch mittlerweile in seiner Heimat fast schon Kultstatus. Seiner Heimatstadt Medellín hat er unzählige seiner Skulpturen gespendet und auch ein Museum. So kommt man an Botero in der kolumbianischen Stadt gar nicht vorbei.

Und gerade Medellín, das durch das Drogenkartell eines Pablo Escobar eher zu zweifelhaftem Ruhm gekommen ist, tut jemand wie Botero ganz besonders gut. Er gehört schon längst zu den angesehensten Künstlern weltweit. In über 70 Museen auf der ganzen Welt wurden seine Werke nur in Einzelausstellungen gezeigt. Und auch seine Skulpturen stehen in vielen Metropolen, New York, Mailand, Paris oder Berlin.

Seine Beliebtheit verdankt er wohl auch seinem einzigartigen Stil, den man schon aus der Ferne als einen Botero erkennt. Er liebt es die moderne Ästhetik zu verschieben. Entgegen allen westlichen Schönheitsidealen sind die Figuren Boteros von überproportionierten Formen bestimmt. Sie sind dick, sehr dick. Aber genau darin findet sich die schrille, groteske oder auch meist komische Schönheit seines künstlerischen Stils. Alles wirkt bei Botero aufgebläht und riesig. Diese Eigenschaft seiner Figuren versteht er selbst als ein Symbol der degenerierten Kolonialbourgeoisie seiner Heimat.

Kolumbien und Südamerika ist tief in seinen Werken verwurzelt, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Seine Motive und Inspirationen findet er vor allem hier: den Stierkampf, den Karneval, die Bordelle, den bunten Lebensstil, den Klerus und seine spezielle Kleidung und natürlich das Leben seiner Eltern. Sein Vater war Händler und ritt dafür mit seinem Maulesel durch die Anden.

Aber Botero schlägt auch ernste Töne an, was er 2005 mit seinem Abu-Ghraib-Zyklus eindrucksvoll bewiesen hat. In drastischen Bildern werden hier seine typischen Figuren erniedrigt und der Folter ausgesetzt.

Peter Schamonis, der schon durch andere Künstlerporträts bekannt wurde, hat mit “Botero - Geboren in Medellín” einen leisen und eindringlichen Film über den lebensfrohen und humorvollen Künstler geschaffen. Er lässt ihn einfach erzählen. Es gibt keinen direkten Kommentator oder Interviews mit Freunden und Bewunderern. Botero (im Deutschen gesprochen von Mario Adorf) zeigt uns seine Sicht auf die Welt und seine Inspirationsquellen, die auch immer wieder filmisch gut umgesetzt werden.

Ein lohnenswerter Film über einen lohnenswerten Künstler…




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